#1 RE: Moderne Waffensysteme von Perikles 13.02.2010 12:13

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Mein 6.000er Post...

Ich will diese Reihe beginnen mit dem maritimen Teil der "strategischen Triade" der Supermächte, den

nuklearen Unterseebooten mit ballistischen Raketen

Hauptvorzug eines U-Bootes ist es, sich faktisch "unsichtbar" einem Gegner zu nähern und dann seine Waffen zu dessen Bekämpfung einzusetzen. Dieser Idealzustand kann von konventionell angetriebenen U-Booten aber nur zeitweise aufrechterhalten werden, da die Kapazität der U-Boot-Batterien begrenzt ist. Erst in jüngster Zeit haben Deutschland, Schweden, Frankreich und Russland, wahrscheinlich auch China, einsatzfähige außenluftunabhängige Antriebe entwickelt, die es U-Booten ermöglichen, mehrere Wochen getaucht zu fahren.

Daher wurde seit Ende der 40er Jahre nach Möglichkeiten gesucht, aus den bis dato Tauchbooten echte U-Boote zu machen, deren Einsatzfähigkeiten nicht mehr von den technischen Parametern der Boote, sondern von der Belastbarkeit seiner Besatzung abhängt. Der Atomantrieb bot die Alternative.

Im Jahr 1955 nahm das erste Atom-U-Boot Fahrt auf – die SSN-571“Nautilus“. Dreieinhalb Jahre später war das sowjetische Pendant „K-3“ einsatzbereit, Typschiff einer Serie von 13 Booten des Projekts 627/627A.

Beide Supermächte hatten von Beginn an die Intention, dieses neue Waffensystem mit ballistischen Raketen auszurüsten. Während die USA noch mit ballistischen Raketen Regulus I/II auf verschiedenen konventionellen und nuklearen U-Booten experimentierten, ging die Sowjetunion gleich zum Serienbau von U-Booten mit ballistischen Raketen über.

Gegenwärtig gibt es 5 Staaten, die über derartige Waffensysteme verfügen - Russland, die USA, Großbritannien, Frankreich und China. Indiens Kriegsflotte erwartet nach über 30-jähriger Entwicklungszeit 2011/12 den Zulauf seines ersten Nuklear-U-Bootes "Arihant", ausgerüstet mit 12 K-15"Sagarika" Raketen mit 750km Reichweite. Eine Nachfolgerakete K-X mit 3.500km Reichweite, die der "Arihant" und ihren Schwesterschiffen substrategische Kapazität verleihen würde, ist in der Entwicklung.

(wird noch vervollständigt)

#2 RE: Moderne Waffensysteme von Perikles 16.02.2010 22:44

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USA
Die erste U-Boot-Klasse, die mit ballistischen Raketen Polaris A1 (Reichweite 1.850km, 1 nuklearer Gefechtskopf mit 600kt TNT-Äquivalent, zum Vergleich: Bombe auf Hiroshima hatte 12,5kt TNT-Äquivalent) ausgerüstet wurden, waren die 1959-61 in Dienst gestellten 5 Boote der George-Washington-Klasse. Um die Boote schnell verfügbar zu haben, wurden die Konstruktionspläne der damals in Bau befindlichen Skipjack-Klasse (nukleare Jagd-U-Boote) modifiziert. Für die 16 Raketen wurde im Mittelteil der Boote eine zusätzliche Raketensektion eingefügt. Damit hatten die Boote bei 6.710ts Verdrängung getaucht eine Länge von 116,4m (zum Vergleich: dt. WK II U-Boot Typ XXI 1.819ts getaucht, Länge 76,7m, modernes dt. U-Boot Klasse 212A 1.830ts getaucht, Länge 53,2m).
Die erste Schiffsklasse, für die von vorneherein als U-Boote mit ballistischen Raketen geplant waren, war die Ethan-Allen-Klasse. Die 5 Boote dieser Klasse wurden zwischen 1961 und 1963 gebaut und trugen 16 Polaris A2 (Reichweite 2.775km, 1 GK 1,2Mt). Die Boote verdrängten getaucht 7885ts und waren 125,1m lang.
Die Lafayette-Klasse (getaucht 8250ts, Länge 129,6m) war eine Weiterentwicklung der Ethan-Allen-Klasse und bildete mit 31 zwischen 1963 und 1967 gebauten Booten bis in die 90er Jahre hinein das Rückrad der maritimen nuklearen Abschreckung der USA. Die ersten 9 Boote wurden noch mit der Polaris A2 ausgerüstet, ab dem zehnten war die Polaris A3 (Reichweite 4.625km) das Hauptwaffensystem. Diese Rakete bot für die "Boomer" der US-Marine den Vorteil, daß man nicht mehr gezwungen war, in das unmittelbare Küstenvorfeld des potentiellen Gegners UdSSR eindringen zu müssen, welches durch zwei auf U-Boot-Abwehr getrimmte Rotbanner-Flotten mit hunderten Jagd-U-Booten gesichert wurde. Später wurden auch die Vorgängerklassen mit der Polaris A3 ausgerüstet. Die Rakete selbst wurde in den späten 60ern weiter verbessert, die letzten Ausführungen hatten bis zu 3 Sprengköpfe.
Von 1971 bis 1977 wurden die Boote mit einer neuen Rakete ausgerüstet - der Poseidon C3. Diese Rakete hatte dieselbe Reichweite wie die Polaris A3, führte aber 10-14 MIRV (Multiple Independently targetable Reentry Vehicle - unabhängig zielsuchender Mehrfach-Wiedereintrittskörper) mit je 100kt mit sich. Verbunden mit der deutlich erhöhten Präzision der einzelnen Gefechtsköpfe erhöhten diese Raketen die Schlagkraft der Lafayette-Boote signifikant.
Zu Beginn der 80er Jahre wurde als Ablöse für die in die Jahre gekommenen Boote ein völlig neuer U-Boot-Typ mit einer weiter verbesserten Bewaffnung eingeführt - die Ohio-Klasse. Bei diesen Booten wurde primär auf eine maximal mögliche Verringerung der Geräuschsignatur geachtet. Von 1981 bis 1997 wurden 18 dieser getaucht 18.770ts verdrängenden und 170,7m langen Boote gebaut. Bewaffnet waren die Boote mit 24 Trident I C4, die 10 MIRV über 7.400km tragen konnte. Diese Rakete wurde als Übergang zur nächsten Raketengeneration sowohl für die ersten Ohio-Boote geplant als auch als Ersatz der Bewaffnung für (dann 12) Lafayette-Boote. Seit etwa 2001 ist die Rakete nicht mehr in Dienst, sie wurde ab 1990 von der Trident II D5 abgelöst (Reichweite 12.000km, 12 MIRV je 100kt), die deutlich zuverlässiger und zielgenauer ist.
Heute verfügen die USA noch über 14 U-Boote der Ohio-Klasse, die mit ballistischen Raketen unterwegs sind. Die 4 ältesten Boote dieser Klasse wurden zwischen 2005 und 2008 zu Trägern von je 154 Tomahawk Marschflugkörpern für Landangriffe umgebaut.

Großbritannien
Die erste britische Klasse U-Boote mit ballistischen Raketen war die Resolution-Klasse (getaucht 8.400ts, 129,5m), von der 1967-69 4 mit je 16 Raketen ausgerüstete Boote in Dienst gestellt wurden. Bereits 1962 vereinbarte Großbritannien mit den USA die Lieferung von 80 Polaris A3, die nach Lieferung mit britischen Gefechtsköpfen ausgerüstet wurden. Im Ausgleich dazu erhielten die USA die Erlaubnis, einen U-Boot-Stützpunkt in Holy Loch bei Glasgow zu betreiben.
Von 1993 bis 2000 wurden 4 neue U-Boote der Vanguard-Klasse (getaucht 15.850ts, 149,9m) in Dienst gestellt, parallel dazu die alten Resolution stillgelegt. Diese Boote sind deutlich größer als ihre Vorgänger und führen als Hauptbewaffnung 16 Trident II D5, wieder mit britischem Gefechtskopf (1-3 MIRV, Sprengkraft einstellbar von 0,3-100kt).

Frankreich
Während Großbritannien bei der Planung der Raketenbewaffnung für seine U-Boote sich an den USA orientierte, ging Frankreich bei der Entwicklung von Raketen für den maritimen Part der Force de Frappe eigene Wege. Zwischen 1971 und 1985 wurden mit großem zeitlichen Abstand zueinander 6 Boote der Redoutable-Klasse (getaucht 8.920ts, Länge 128,7m, 16 Raketen) gebaut. Parallel dazu wurden auch die ballistischen Raketen weiterentwickelt, ältere Boote nachträglich auf den neuesten Stand gebracht.
Die ersten beiden Boote hatten als Hauptbewaffnung noch die M1. Diese auf der Polaris basierende Eigenentwicklung erreichte mit einem 500kt-GK 2.400km. Das dritte Boot war schon mit der M2 ausgerüstet, die mit demselben GK 3.100km erreichte. Das vierte Boot, die 1977 in Dienst gestellte L´Indomtable, war mit 16 M20 ausgerüstet, die bei gleicher Reichweite wie die M2 einen 1,2Mt-GK trugen. Das letzte Boot trug dann die M4 (Reichweite 4.000km, 6 MIRV je 150kt). Bis auf die Redoutable wurden bis 1993 alle Boote auf diese Rakete umgerüstet. 2006 wurde das letzte Boot dieser Klasse außer Dienst gestellt.
Seit 1997 ist die neue U-Boot-Klasse Le Triomphant (getaucht 14.330ts, Länge 138,3m) im Zulauf, deren vierte und letzte Einheit in diesem Jahr ausgeliefert werden soll. Derzeit sind diese Boote noch mit der M45 bewaffnet, deren Reichweite gegenüber der M4 auf 6.000km vergrößert wurde. In Kürze wird auf diesen Booten die M51 (Reichweite >8.000km, 6-10 MIRV je 100kt) eingerüstet.

(Russen und Chinesen mache ich bald)

#3 RE: Moderne Waffensysteme von Perikles 26.02.2010 00:24

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China
Schon Ende der 50er Jahre gab es chinesische Überlegungen zum Aufbau einer submarinen Nuklearstreitmacht. Diese erlitten jedoch aufgrund der Abkühlung der sowjetisch-chinesischen Beziehungen und der damit ausbleibenden technischen Hilfestellungen herbe Rückschläge. Erst 1981 konnte ein erstes U-Boot mit ballistischen Raketen Typ 092 (Xia-Klasse/NATO-Code) vom Stapel gelassen werden. Dieses Boot verdrängte bei 120m Länge getaucht etwa 7.000ts und war technologisch und im Design an die sowjetische 60er-Jahre-Klasse Yankee angelehnt. Bewaffnet war das Boot mit 12 JL-1 JuLang 1 (CSS-N-3/NATO-Code) Raketen mit 2.150km Reichweite und einem GK mit bis zu 500kt. Weder Boot noch Bewaffnung erfüllten jedoch die in sie gesetzten Erwartungen, deshalb blieb wohl ein Serienbau aus. Gerüchte, daß ein Schwesterschiff 1985 gesunken ist, wurden offiziell nie bestätigt.

Das Boot ist wohl noch in Dienst und wird seit Anfang dieses Jahrtausends als Versuchsplattform für ballistische Raketen der nächsten U-Boot-Generation verwendet. Wahrscheinlich hat das Boot nie eine Gefechtspatrouille unternommen.
Im Jahr 2006 wurde ein erstes, einsatzbereites Boot der Folgeklasse Typ 094 (Jin-Klasse/NATO-Code) gesichtet, 2 weitere in Bau wurden 2007 in einer Schiffswerft erkannt. Wahrscheinlich werden von dieser Klasse 5-6 Boote gebaut. Die Boote Typ 094 verdrängen getaucht etwa 10.000ts, sind 133m lang und bewaffnet mit 12 JL-2 JuLang 2 (CSS-NX-4/NATO-Code). Man geht davon aus, daß diese Raketen wahlweise einen einzelnen GK mit 1 MT Sprengkraft oder 3-4 MIRV mit je 90-250 kt über 7.200km GPS-gesteuert in ein Ziel gelenkt werden können.

UdSSR/Rußland
Erst einmal vorneweg: die sowjetischen Nuklear-U-Boote mit ballistischen Raketen waren von ihren taktisch/technischen Parametern durchweg kampf- und leistungsstärker als ihre US-Pendants, hatten aber auch gravierende Nachteile.
Zum einen gelang es der UdSSR nie, eine leistungsfähige und zuverlässige Feststoffrakete für ihre U-Boote zu entwickeln. Ihre SLBM wurden mit Flüssigtreibstoff angetrieben, welcher die Raketen sehr störanfällig und wartungsintensiv und außerdem von ihren Abmaßen her größer werden ließ als vergleichbare US-Raketen. Daher die charakteristischen "Walbuckel" auf den sowjetischen Sub-Raketenträgern.
Ein weiterer Nachteil war die Vernachlässigung der Geräuscharmut auf sowjetischen U-Booten bis Ende der 70er Jahre. Dadurch büßten die U-Boote ihren wichtigsten Vorteil gegenüber potentiellen Gegnern, ihre "Unsichtbarkeit" weitgehend ein. Seit den 80er Jahren wurde aber intensiv an der Verbesserung der Geräuscharmut der Boote gearbeitet, die heutigen Boote sind in ihrer Qualität durchaus mit ihren amerikanischen Gegenstücken vergleichbar.
Auch der Fakt, daß zur Bedienung technisch hochkomplexer Waffensysteme wie z.B. strategischer U-Boote Wehrpflichtige mit ungenügender Fachkenntnis eingesetzt wurden, wirkte sich nachteilig auf die Einsatzbereitschaft der Boote aus und führte zu einer Reihe von Havarien. Spätestens seit dem Untergang der "Kursk" wurden diese Wehrpflichtigen auf modernen Booten durch Offiziere und Spezialisten ersetzt. Man kann heute davon ausgehen, daß russische U-Boot-Besatzungen ihre Boote (die Übriggebliebenen!) mittlerweile fast ebenso gut beherrschen wie die Crews der US-Marine.

Die ersten U-Träger für ballistische Raketen in der Sowjetunion waren dieselelektrische U-Boote. Zwischen 1958 und 1962 wurden 23 U-Boote des Projekts 629 (Golf/NATO-Code) gebaut. Diese Boote wurden mit 2 ballistischen Raketen R-13 (SS-N-4 Sark/NATO-Code), ab 1965 mit 3 R-21 (SS-N-5 Serb/NATO-Code) bewaffnet, die einen 1 Mt-GK über 700 resp. 1.400km tragen konnten. Diese Raketen wurden im verlängerten Turm der Boote mitgeführt.
Diesen U-Booten folgten zwischen 1960 und 1963 8 114m lange, nuklear getriebene U-Boote Projekt 658 (November/NATO-Code), die bei einer Verdrängung von 5.300ts unter Wasser gleichfalls je 3 Raketen R-13/R-21 mit sich führten. Das Typschiff dieser Serie, die "K-19", machte durch eine Reihe von Havarien Schlagzeilen. In der Nordflotte trug es den Spitznamen "Hiroshima".
Von 1967 bis 1972 wurden als Antwort auf die amerikanische Lafayette-Klasse 34 U-Boote des Projekts 667A"Navaga/Nalim" (Yankee I/NATO-Code) gebaut. Getaucht verdrängten diese 127,9m langen Boote 11.500ts und trugen als Bewaffnung 16 R-27"Zyb" (SS-N-6/NATO-Code), die einen 1 Mt-GK über 2.400km tragen konnten. Spätere Versionen konnte 3 einzelne GK mit je 200kt ca. 3.000km weit tragen. Bei diesen Booten wurde die amerikanische Anordnung der Raketen in einem separaten Rumpfteil hinter dem Turm übernommen. Die Boote wurden mit dem Ende des kalten Krieges außer Dienst gestellt.
Ab 1972 folgte mit dem Projekt 667B eine zweite Großserie von nuklearen ballistischen U-Booten, die in 4 Unterserien mit Änderungen entsprechend der Abmessungen der jeweils verwendeten Raketen in einer Gesamtzahl von 43 Booten bis 1992 gebaut wurden:
Von 1972 bis 1977 wurden 18 Boote des Projekts 667B"Murena" gebaut, Boote mit einer Länge von 139m und 13.700ts Verdrängung unter Wasser. Diese Boote trugen 12 Raketen R-29"Vysota" (SS-N-8 Sawfly/NATO-Code), die einen 800kt-GK über 7.700km, als R-29D 9.100km tragen konnten.
Zwischen 1974 und 1976 folgten 4 Boote Projekt 667BD "Murena-M" (Delta II/NATO-Code), 152,7m lang, Verdrängung 15.750ts unter Wasser, die 16 weiter verbesserte R-29K"Volna" (SS-N-18 Stingray/NATO-Code) trugen. Die Rakete konnte wahlweise einen 450kt-GK oder 3 MIRV mit je 200kt über 8.000km tragen.
Von 1976 bis 1981 folgte mit dem Projekt 667BDR"Kalmar" (Delta III/NATO-Code) eine weitere größere Serie von 14 Einheiten, 155m lang und 15.900ts unter Wasser verdrängend. Diese Boote hatten als Hauptbewaffnung 16 R-29RL (SS-N-18 mod.3/NATO-Code), die 3-7 MIRV mit je 100kt über 6.500km transportieren konnten.
Die letzte Serie Projekt 667BRDM"Delfin" (Delta IV/NATO-Code) wurde in 7 Booten 1985 bis 1992 gebaut und führt je 16 R-29RM"Shtil" (SS-N-23 Skiff/NATO-Code). Diese Rakete kann bis zu 10 MIRV über 8.300km tragen. 1999 wurde die Produktion der R-29 in der nochmals verbesserten Version R-29RMU"Sinewa" wieder aufgenommen. Bei einem Test 2008 traf eine Rakete dieses Typs ein Ziel nach 11.500km Flug.
Bis auf 5 mit R-29RMU nachgerüsteten Delta III und 6 Delta IV (eins wurde zum Forschungs-U-Boot umgebaut) sind alle Deltas außer Dienst gestellt. Viele rosten immer noch vor sich hin und warten auf ihre Verschrottung...
Den Gipfel des sowjetischen U-Boot-Bau´s bilden wohl die Giganten des Projekts 941"Akula" (Taifun-Klasse/NATO-Code). Diese U-Boot-Riesen haben eine Länge von 172,6m, verdrängen unter Wasser 33.800ts (nach anderen Quellen bis zu 48.000ts!!!) und erreichen damit die Größe von Angriffs-Flugzeugträgern des II. WK. Mindestens 14 dieser Boote waren geplant, 10 auf Kiel gelegt, 6 wurden zwischen 1981 und 1989 fertiggestellt.
Die strategische Idee, die hinter ihrer Entwicklung steckt, war recht einfach: das arktische Seegebiet rund um Nowaja Semlja wird von der russischen Nordflotte als Zitadelle betrachtet, die recht einfach zu verteidigen ist. In diesem Seegebiet sollten die Taifun entfaltet werden und ihre Raketen gegen jedes beliebige Ziel auf der Welt abfeuern können. Gedeckt durch Eis und rauhe See, durch Wasserschichten mit unterschiedlicher Temperatur, die ihre Ortung zusätzlich erschwerten und geschützt durch Kriegsschiffe und Jagd-U-Boote der Nordflotte hätten diese Boote einen nuklearen Zweitschlag garantiert. Die Größe der Boote spielte dabei eine untergeordnete Rolle, das wurde bei der Entwicklung der Raketen auch gründlich ausgenutzt. Jedes Boot führte 20 Raketen R-39"Rif/Shetal" (SS-N-20 Sturgeon/NATO-Code), die bis zu 10 MIRV mit je 200kt über 8.300km transportieren konnten. Diese Raketen waren die ersten ballistischen Feststoffraketen in der sowjetischen Flotte, allerdings schien man mit ihnen nicht zufrieden. Eine Weiterentwicklung R-39UTTKh"Grom" (SS-NX-28/NATO-Code)mußte allerdings nach 4 missglückten Versuchen eingestellt werden. Da die russische Flotte in den 90ern mit massiven Budgetproblemen kämpfte und daher keine Gelder mehr für Neuentwicklungen zur Verfügung standen, mußte die russische Flotte auf die Taifun-U-Boote verzichten. Gegenwärtig befindet sich noch ein Boot als Erprobungsträger für neue Raketen in Dienst, zwei weitere, die ihre Raketen schon in Testschüssen verbraucht haben, befinden sich noch in der Flottenliste. Die 3 anderen wurden aufgelegt und verschrottet.
Heute geht es langsam wieder bergauf in Rußland. Das zeigen auch die zweistelligen Wachstumsraten des Verteidigungshaushaltes. Ganz oben auf der Prioritätenliste befindet sich die Erneuerung der strategischen Triade der nuklearen Abschreckung. Die Nord- und die Pazifikflotte erhalten neue U-Boote mit ballistischen Raketen.
Projekt 955A (Borej/NATO-Code): Das Projekt lief wahrscheinlich schon vor Ende des kalten Krieges an. Damals waren für die Boote des Projekts 955 noch je 12 Raketen R-39UTTkh vorgesehen. Nach dem Scheitern dieser Raketenentwicklung suchte man für die Boote (185m lang, Verdrängung 24.000ts unter Wasser) nach einer neuen Rakete. Man entschied sich für ein Derivat der technisch zuverlässigen landgestützten ICBM Topol M (SS-25), diese mußte man allerdings deutlich verkleinern, weil sie mit 22m Länge auf kein U-Boot passt. Herausgekommen ist die R-30"Bulawa" (SS-NX-30/NATO-Code), eine Feststoffrakete, die allerdings die Zuverlässigkeit ihrer landgestützten Schwester nicht teilt. Erst irgendwann zwischen 2010 und 2016 erreicht diese Rakete ihre Einsatzreife. Es ist ein Mix von 16 Raketen in 3 Versionen je Boot vorgesehen: Bulawa-M mit einem MARV (extrem manövrierfähiger MIRV zur Raketenabwehr) von 550kt bis 1 Mt und einer Reichweite von 10.000km, Bulawa-30 mit 6 MIRV mit je 150kt und einer Reichweite von 6.500km und Bulawa-47 mit 3 satellitengesteuerten (GLONASS) Penetrations-GK von je 5 kt zur Bekämpfung verbunkerter Anlagen und einer Reichweite von 8.500km.
Derweil ist das erste Boot 955A, die "Jurij Dolgorukij", seit Ende letzten Jahres in Dienst, 2 weitere in Bau, das vierte wird Ende diesen Jahres auf Kiel gelegt. Wahrscheinlich ab Bau-Nr. 5 sollen die Boote verlängert werden und dann 20 Raketen tragen. Insgesamt sollen 8 Boote dieses Typs gebaut werden. Vom traditionellen kastenförmigen "Walbuckel", der einstmals typisch für sowjetische Sub-Raketenträger war, ist bei diesen Booten nichts mehr zu sehen.


Wenn das interessant für Euch war, sagt mir mal Eure Meinung, was gefallen hat und was man besser machen könnte - in einem anderen (Diskussions-)Thread. Ich habe in den vergangenen 30 Jahren eine ganze Menge von solchem Wissen angehäuft und könnte bei vielen Themen tiefer ins Detail gehen und eventuell auch einige Tendenzen und Entwicklungen beurteilen. Und natürlich hat auch Google geholfen!

#4 RE: Moderne Waffensysteme von John Doe 31.08.2015 06:24

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Hm, hast du was zu europäischen Waffensystemen?


Das Ater von Posts ignoriere ich mal einfach, wenn ich darauf eingehen würde könnte ich nirgendwo antworten.

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