#1 RE: Die Rolle des Papstes im Römischen Reich? von Caesar Imperator 25.07.2010 12:36

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Ave zusammen!

Der Papst ist bekanntlicherweise das Oberhaupt der katholischen Kirche. Den Höhepunkt der päpstlichen Macht bildete ganz klar das Mittelalter, da nur ein Wort genügte und schon zogen tausende von tapferen Rittern gegen Jerusalem. Er besaß manchmal sogar Kontrolle über den deutschen Kaiser oder dieser konnte nur vom Papst persönlich gekrönt werden. Doch wie sieht es mit seinem antiken Vorgänger aus? Der Nachfolger von Petrus war Linus, der sicherlich noch kein einziges Wort zu melden hatte was die christlichen Gemeinden anging.

Doch wie war die Rolle des Papstes nach 391, als das Christentum offiziele Staatsreligion des Imperium Romanum wurde? Zu dieser Zeit war [url='http://de.wikipedia.org/wiki/Siricius']Siricius[/url] der Bischof von Rom. Auch war er der erste, der den Titel "Papst" als Eigenbezeichnung führte. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, die ihre Schriften of mit väterlichem Ermahnen und Erbauung verfassten stellte er klare Regeln auf und gab diese stets in Befehlston. Eine weitere bedeutende Person in dieser Zeit war der Kirchenvater Ambrosius von Mailand, der Kaiser Theodosius I. nach dem Massaker von Thessaloniki sogar mit Exkommunikation gedroht hatte!

Zitat
Einflussnahme des Ambrosius von Mailand auf Kaiser Theodosius I. zugunsten der Kirche(Wikipedia)

388 verhinderte Ambrosius die von Kaiser Theodosius I. verfügte rechtmäßige Bestrafung eines mesopotamischen Bischofs, der eine Menge in Kallinikon zum Niederbrennen der dortigen Synagoge aufgehetzt hatte. Ambrosius verlangte brieflich, dass alle Plünderer und Beteiligten straffrei ausgehen sollten und die Synagoge nicht wiederaufgebaut wurde, obwohl das Gesetz dies vorschrieb:

Der Comes Orientes berichtet vom Brand einer Synagoge auf die Anstiftung des Ortbischofs hin. Du hast angeordnet, dass die andern bestraft werden sollten und der Bischof persönlich für die Wiederherstellung der Synagoge Sorge zu tragen habe. Ich bestehe nicht darauf, dass der Bericht des betroffenen Bischofs hätte abgewartet werden sollen. Sind es doch die Bischöfe, die aufgebrachte Massen in Schach halten und um den Frieden besorgt sind, es sei denn, sie würden selbst gereizt durch eine Gotteslästerung oder einer Kirche angetanen Schimpf ... Soll [aber allen Ernstes} dem Unglauben der Juden ein Platz geschaffen werden auf Kosten der Kirche ...? Soll das dank der Gnade Christi für Christen erworbene Erbe den Schatz der Ungläubigen vermehren ...? Sollen die Juden diese Inschrift auf die Stirnseite ihrer Synagoge anbringen: ’Der Tempel der Ungerechtigkeit, errichtet aus der den Christen abgenommenen Beute’?

Der Brief blieb zwar ohne Erfolg, doch zwang der angesehene Bischof den Kaiser zum diplomatischen Einlenken, indem er ihn öffentlich im Gottesdienst kritisierte und sich weigerte, das Messopfer zu vollziehen, bevor der Kaiser nicht eingelenkt hätte. Der Vorgang zeigt, wie Ambrosius sein Bischofsamt gezielt dazu nutzen konnte, um in seinem Sinne auf den getauften Kaiser Einfluss zu nehmen. Zwar stellte der Kaiser nicht die Rechtmäßigkeit des Urteils in Frage, sondern ließ im Sinne des antiken Herrscherideals Milde und Gnade walten, und der Schutz der Juden wurde im Codex Theodosianus ausdrücklich bekräftigt. Dennoch war wirkungsgeschichtlich ein Präzedenzfall geschaffen, der im Zweifelsfall Interessen der Religion vor das Recht stellte und der den bis dahin selbstverständlichen kaiserlichen Rechtsschutz für die Juden auszuhöhlen drohte.

Politisches Wirken
390 zwang Ambrosius Theodosius unter Androhung der Exkommunikation sogar zur öffentlichen Reue für das Massaker von Thessaloniki. Diese Aktion ist allerdings nicht zu vergleichen mit dem Bußgang Heinrichs des Vierten nach Canossa, auch wenn einige Autoren von Streitschriften im elften Jahrhundert beide Ereignisse vergleichen – bei Heinrich ging es um einen Machtkampf zwischen Kaiser und Papst, bei Theodosius um die seelsorgerliche Frage, ob der Kaiser über eine eindeutige Sünde erhaben sei oder wie alle anderen in dieser Lage auch dafür Buße tun müsse (der Kaiser ist in der Kirche, nicht über der Kirche). Der Kaiser selbst nutzte die Gelegenheit, um sich symbolisch als reuiger Sünder darzustellen und so sein Ansehen wieder zu festigen.

Ambrosius engagierte sich nicht nur in kirchenrechtlichen Angelegenheiten, sondern war durch seine herausgehobene Stellung als Bischof der Residenz Mailand auch politisch gefordert. So trat er dem Usurpator Magnus Maximus, der Italien von Gallien her bedrohte, als Botschafter des Kaisers entgegen. Die theodosianischen Dekrete, die im Jahre 391 das Christentum in der trinitarischen Form zur Staatsreligion erhob, sind vermutlich maßgeblich durch Ambrosius beeinflusst. Bei der Erhebung des Eugenius verhielt sich Ambrosius diesem gegenüber distanziert, nicht zuletzt aufgrund Eugenius’ Förderung der alten Kulte (wenn auch manche Quellenaussagen sicherlich übertrieben sind).



Er war jedoch KEIN Papst und hatte trotzdem dem römischen Imperator herausgefordert. Wenn dies ein Kirtchenvater einfach so machen konnte was tat dann der Papst?

Welche Rolle spielte er in der Zeit der römischen Kaiser und nach der Reichsteilung von 395? Was waren seine Aufgaben und wieviel Einfluß hatte der Papst auf dem Imperator (Stichwort: Ambrosius)?

#2 RE: Die Rolle des Papstes im Römischen Reich? von Scifi 25.07.2010 15:46

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Die Rolle des Papstes im 4./5. Jhdt. sollte man nicht überschätzen, zumal sein Sepremat noch nicht allgemein anerkannt war. Die Patriarchen von Konstantinopel, Antiochia, Alexandria und Jerusalem gingen ihre eigenen Wege und scherten sich nicht viel um den Patriarchen von Rom. Die Macht des Papstes war schon dadurch beschränkt, dass damals eigentlich noch unbestritten war, dass der neugewählte Papst die Bestätigung des Kaisers brauchte.
Ambrosius verdankte seinen Einfluss mehr seiner Persönlichkeit und seinem Ansehen.

#3 RE: Die Rolle des Papstes im Römischen Reich? von Felix Agricola Viribus 29.03.2011 23:14

Das denke ich auch. Damals war der Papst wirklich nicht viel mehr, als der Bischof von Rom und bevor das Christentum Staatsreligion wurde, sind viele von denen als "Märtyrer" gestorben.

#4 RE: Die Rolle des Papstes im Römischen Reich? von Sofian 31.03.2011 11:53

Was ihr allerdings vergesst: Durch den Umzug der Kaiser erst nach Mediolanum, danach nach Ravenna, gewann der Papst einen gewissen Handlungsspielraum. (Ebenso wie im Übrigen der Senat)

Dieser politische Spielraum wurde von manchen Päpsten auch in gewisser Weise genutzt. Man denke an Papst Innozenz I., der mit Alarich verhandelte und so einen Abzug der Goten nach nur 3 Tagen Besatzung erwirken sowie eine Verschonung von Geistlichen und kirchlichen Anlagen.

Ebenso mächtig war Leo I (genannt der Große), der die Hunnenschar von Attila zur Umkehr bewegen konnte. Zudem verhinderte er Ausufernde GEwalt bei der Plünderung Roms durch Geiserich. Er übernahm den Titel Pontifex Maximus vom Kaiser, begründete das römische Primat und war der Beegründer des mittelalterlichen Papsttums.


Die Person des Papstes war, neben den Heerführern wie Stilicho oder Ricimer, die politische Figur in Italien. Die Kaiser hatten spätestens nach Honorius ihren Anspruch auf tatsächliche Leitung des Reichsgeschäftes an die Heerführer verloren.

Ebenso muss man bedenken, das die Patriarchen von Alexandira, Konstantinopel, Antiochia und Jerusalem im Westreich kaum politischen Einfluss besaßen, was die Stellung der römischen Patriarchen stärkte. Es gab zwar immer noch Reibereihen und die offizielle Trennung in Katholisch und Orthodox erfolgte erst sehr viel später, aber die Trennung zwischen Rom und Konstantinopel war im 5 Jahrhundert auch religiös bereits weit fortgeschritten.

Allerdings, das muss man sagen, war die Rolle des Papstes, ebenso wie die des Kaisers, nicht per se mächtig, sondern es hing ganz davon ab, wer sie bekleidete. Deshalb muss man sagen, das nicht der Papst als Amt, sondern die Kirchenväter wie Ambrosius und Augustinus, Leo I oder Innzenz I. als Personen politisch mächtig waren.

Die Kirche aber als Gesamtheit war mächtiger als der Kaiser im Westen. Was aber nichts heißt, denn jeder Senator war im Westreich mächtiger als der Kaiser im 5. Jhrdt. (Wobei Senator in diesem Zusammenhang den Stand meint)

#5 RE: Die Rolle des Papstes im Römischen Reich? von angelblue15 04.12.2013 11:33

Ich war mal so frei mich selbst aus einem anderen Forum zu zitieren. Ein Teilnehmer der Diskussion stelle eine Frage die mich beschäftigt hat.

Löste Caesar den Bürgerkrieg aus freien Stücken aus oder war quasi durch die Umstände gezwungen den Kampf zu suchen?

#6 RE: Die Rolle des Papstes im Römischen Reich? von Cynredd ap Ifon 04.12.2013 12:36

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Hallo angelblue, zunächst mal herzlich Willkommen hier auf dem Forum.

Wir hatten mal an anderer Stelle exakt diese Fragestellung, deshalb verweise ich Dich einfach mal da hin. Da paßt es auch besser als zu den Päpsten.

topic.php?id=1450

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